Licht als skulpturales Element in der Unterwasserfotografie

Der LumiVerse™-Ansatz von Stephan Ernst

Abstract

Die zeitgenössische Unterwasserfotografie hat sich in den letzten Jahren von dokumentarischen und rein ästhetischen Darstellungen hin zu inszenierten, künstlerischen Bildwelten entwickelt. Ein zentraler Unterschied moderner FineArt-Ansätze liegt nicht mehr allein in Pose, Kleidung oder Umgebung, sondern in der Rolle des Lichts selbst.

Der LumiVerse™-Ansatz von Stephan Ernst beschreibt eine Arbeitsweise, bei der Licht nicht lediglich beleuchtet, sondern als reaktives, formgebendes Element Teil der Inszenierung wird. Diese Herangehensweise folgt einem übergeordneten Lichtkonzept, das Ernst als Signature Light bezeichnet.

1. Unterwasserfotografie zwischen Inszenierung und Lichtgestaltung

Klassische inszenierte Unterwasserfotografie arbeitet meist mit:

  • statischen Lichtquellen außerhalb des Wassers
  • gleichmäßiger Ausleuchtung von oben oder seitlich
  • klar kontrollierten Pool-Umgebungen

Diese Herangehensweise erzeugt reproduzierbare Ergebnisse, bei denen Pose, Stoff und Bewegung im Vordergrund stehen. Das Licht dient primär der Sichtbarkeit und Akzentuierung.

Im LumiVerse™-Ansatz wird diese Hierarchie bewusst aufgelöst.

2. Signature Light unter Wasser

Signature Light beschreibt organisch-atmosphärisches Licht, das unter Wasser nicht nur formt, sondern zusätzlich reagiert.

Durch Strömung, Bewegung und zeitliche Verzögerung wird Licht zu einem physisch erfahrbaren Bestandteil der Aufnahme. Es folgt nicht allein der Intention des Fotografen, sondern entwickelt ein Eigenverhalten, das den Bildraum mitprägt.

Im LumiVerse™ entsteht dadurch kein reproduzierbares Lichtschema, sondern ein offener Prozess: Jede Session erzeugt eigene Lichtbahnen, Übergänge und Rhythmen. Das Ergebnis wirkt natürlich und lebendig – und entzieht sich bewusst vollständiger Kontrolle.

3. Licht als aktiver Bildpartner

Im Zentrum des LumiVerse™ steht die Idee, Licht nicht als Werkzeug, sondern als aktiven Bildpartner zu verstehen.

Dazu werden handgefertigte Lichtskulpturen – sogenannte LumiJellys™ – direkt im Wasser eingesetzt.

  • sichtbare Reaktion auf Strömung und Bewegung
  • keine vollständig identische Wiederholbarkeit
  • Licht, das Form, Raum und Rhythmus mitgestaltet

Das Licht verhält sich damit ähnlich wie Stoff oder Körper: Es folgt physikalischen Gesetzen und entwickelt Eigenbewegung und wird im Rahmen des Signature Light-Konzepts zum gleichberechtigten Akteur der Inszenierung.

4. Abgrenzung zu dekorativen oder technischen Lichtsystemen

  • dekorative LED-Objekte
  • nachträglich hinzugefügte CGI-Effekte
  • rein technisch motivierte Unterwasserleuchten

Die eingesetzten Lichtskulpturen sind nicht kommerziell erhältlich und existieren ausschließlich als Teil der künstlerischen Arbeit.

5. Bewegung, Physik und Unvorhersehbarkeit

  • minimale Abweichungen in jeder Bewegung
  • individuelle Lichtreaktionen pro Session
  • Zusammenspiel aus Körper, Wasser und Licht

Bildserien werden nicht als Variationen gelesen, sondern als einzelne Kapitel eines visuellen Prozesses.

6. Einordnung im zeitgenössischen Kontext

Der LumiVerse™-Ansatz ergänzt bestehende Unterwasser-Positionen um eine Perspektive, in der Licht selbst Träger von Bedeutung wird – physisch, nicht symbolisch.

7. Künstlerische Zielsetzung

  • Transformation
  • Übergang
  • Verletzlichkeit
  • Neubeginn

Diese Themen werden nicht illustriert, sondern über Bewegung, Lichtreaktion und Bildraum erfahrbar gemacht.

8. Fazit

Der LumiVerse™-Ansatz beschreibt eine Form der Unterwasserfotografie, in der Licht gleichberechtigter Akteur wird. Durch physikalische Interaktion und Offenheit im Prozess entsteht eine eigenständige visuelle Sprache.

Autor: Stephan Ernst

Ort: Weimar, Deutschland

Kontext: FineArt Unterwasserfotografie · Lichtskulptur · zeitgenössische Fotokunst

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